Altmeister stehen für Lebenserfahrung und Können

Handwerkskammer Koblenz verlieh Handwerkssenioren Goldenen Meisterbrief für 50 Jahre Meisterschaft

HwK Präsident Werner Wittlich verlieh vier Handwerkssenioren ihre Diamantenen Meisterbriefe. Bäckermeister Willi Bamberger, Schornsteinfegermeister Walter Theisen, HwK Präsident Werner Wittlich, Maurermeister Herbert Jäckel, Maurermeister Alfons Link (v.l.). Foto: P!ELmediaLupe
HwK Präsident Werner Wittlich verlieh vier Handwerkssenioren ihre Diamantenen Meisterbriefe. Bäckermeister Willi Bamberger, Schornsteinfegermeister Walter Theisen, HwK Präsident Werner Wittlich, Maurermeister Herbert Jäckel, Maurermeister Alfons Link (v.l.). Foto: P!ELmedia
Altmeisterfeier 2011 der Handwerkskammer Koblenz in der Kulturhalle Ochtendung. Foto: P!ELmediaLupe
Altmeisterfeier 2011 der Handwerkskammer Koblenz in der Kulturhalle Ochtendung. Foto: P!ELmedia
Der Handwerkerchor Birkenfeld rahmte die Altmeisterfeier traditionell ein. Foto: P!ELmediaLupe
Der Handwerkerchor Birkenfeld rahmte die Altmeisterfeier traditionell ein. Foto: P!ELmedia

KOBLENZ. „Altmeister steht für Lebenserfahrung, für handwerkliches Können, für die Weitergabe von Wissen und Erfahrungswerten. Altmeister sein bedeutet hier und heute, dass Sie vor 50 Jahren – einige sogar vor noch längerer Zeit – Ihre Meisterprüfung im Handwerk abgelegt haben“, begrüßte Werner Wittlich, Präsident der Handwerkskammer (HwK) Koblenz, im Namen des Vorstandes und der Geschäftsführung der Kammer, über 100 Handwerkssenioren. Mit ihren Angehörigen waren sie zur Verleihung des Goldenen Meisterbriefes in der Kulturhalle Ochtendung erschien

Teil der Geschichte des Landes

„Mit der Ablegung der Meisterprüfung haben Sie damals die Voraussetzung für eine handwerkliche Karriere geschaffen und mit zum Aufbau des Landes und seiner Wirtschaft beigetragen. 50 Jahre Meisterschaft – 50 Jahre Leben für und mit dem Handwerk. Das ist eine herausragende Leistung“, fuhr Wittlich in seiner Laudatio fort. Er spannte den Bogen zu den geschichtlichen Ereignissen, die das Jahr 1961 für die Altmeister über die Meisterprüfung hinaus geprägt haben. Mit dem Bau der Berliner Mauer wurde die Teilung Deutschlands manifestiert. „Viele Menschen haben die Flucht aus der ehemaligen DDR gewagt; manche von ihnen mit dem Leben bezahlt. Dies soll heute, 50 Jahre nach dem Beginn des Mauerbaus nicht vergessen werden“, so der Kammerpräsident. Er erinnerte daran, dass im November 1961 die neu gebildete Regierungskoalition von CDU, CSU und FDP das neue Ressort Gesundheit gründete, das von einer Frau, Elisabeth Schwarzhaupt, übernommen wurde. „Frauen waren und sind seither auf dem Vormarsch. Heute haben wir eine Bundeskanzlerin. 2010 waren 15 Prozent der Meisterprüflinge bei der HwK Koblenz Frauen.“ Im Vergleich dazu führte Werner Wittlich an, dass unter den heute zu ehrenden 117 „goldenen“ Handwerksmeistern lediglich sechs Frauen sind, also gut fünf Prozent.

„Ihr Lebensweg, liebe Altmeisterinnen und Altmeister, war geprägt von der Aufbruchstimmung und dem für die 60er Jahre hohen Leistungsdenken. Das Handwerk und damit Sie haben den wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands erst ermöglicht. Auf die Werte, die Sie gelebt haben, müssen wir uns besinnen, um ein leistungs- und zukunftsfähiges Handwerk zu erhalten“, unterstrich Wittlich. Er verwies darauf, dass es weiterhin qualifizierter und engagierter junger Leute bedarf, die ihre Zukunft im Handwerk gestalten. „Denn nur dann stehen wir auch in 50 Jahren wieder hier und können zahlreichen Altmeistern des Jahrgangs 2011 zu ihrer erfolgreichen Karriere im Handwerk gratulieren.“

Ehrenamtliches Engagement

Der besondere Dank des Kammerpräsidenten, der selbst auf allen gesellschaftspolitischen Ebenen aktiv war und ist, galt dem Ehrenamt. „Viele von Ihnen haben in der Vergangenheit für das Image und die Zukunft des Handwerks gearbeitet, indem Sie sich neben Ihren beruflichen Verpflichtungen ehrenamtlich für das Handwerk eingesetzt haben. Viele von Ihnen waren im Ehrenamt bei der Handwerkskammer, den Kreishandwerkerschaften oder in den Prüfungsausschüssen des Handwerks tätig. Und der ein oder andere hat als Sachverständiger dafür gesorgt, dass die Qualität im Handwerk hoch gehalten wird. Ohne dieses Engagement wäre das Handwerk nicht das, was es heute ist.“

Diamantener Meisterbrief für vier Handwerkssenioren

Sichtbar bewegt nahmen die Handwerker aus den Händen des Kammerpräsidenten ihren Goldenen Meisterbrief persönlich entgegen. Erneut gab es in diesem Jahr die besondere Ehrung für 60 Jahre Meisterprüfung in Form des Diamantenen Meisterbriefes. Er wurde an vier Handwerksmeister verliehen. Zu ihnen gehört Schornsteinfegermeister Walter Theisen aus Polch. „Der Ruß hat mich fit gehalten“, lacht der 83-Jährige. „Ich bin stolz darauf, mein Leben lang auch als Glücksbringer fungiert zu haben“, so der Jubilar, der zur Feier des Tages in seiner Berufskleidung erschienen war. Bäckermeister Willi Bamberger aus Idar-Oberstein ist mit Ehefrau Annemarie zur Verleihung gekommen. „Ihr gebührt mein besonderer Dank. Sie hat immer hinter mir gestanden und mir den Rücken frei gehalten“, sagt er bewegt.

Ehrenobermeister Hans-Werner Seul bedankte sich im Namen der geehrten Handwerksmeister bei der HwK Koblenz für die gelungene Feier. „Wir haben uns mit dem Meisterbrief eine solide Existenz aufgebaut. Unsere Unternehmenskultur beruht auf Werten, auf die wir stolz zurückblicken“, zog er ein Fazit. „Jung ist, wer noch viel vor hat“, so Seul. Er sagte, dass seine Fortbildung als BUGA-Gästeführer ihm in diesem Jahr „tolle Erlebnisse und Begegnungen ermöglicht und keine Zeit für Krankheiten gelassen hat“ und ermutigte die Jubilare, immer „am Ball und offen für Neues zu bleiben“.

In seinem Schlusswort ging HwK-Präsident Werner Wittlich noch einmal auf zwei der vier Altmeister ein, die zuvor in einem Meisterfilm beispielhaft vorgestellt wurden. „An Schuhmachermeister Reimund Portisch stellte die Meisterprüfung eine besondere Herausforderung. Er ist fast taub und hat während des Unterrichts von den Lippen des Dozenten abgelesen. Das ist eine besondere Meisterleistung in einer Zeit, in der auf solche gesundheitlichen Beeinträchtigungen noch wenig Rücksicht genommen wurde.“ Mit Blick auf die Brotkörbe auf den Tischen verwies Wittlich darauf, dass das Brot von Bäckermeister Erich Geisen nach eigenem Rezept aus seiner Meisterprüfung gebacken wurde und heute, 50 Jahre später, als Verkaufsschlager in den 10 Filialen der Bäckerei Geisen als „Opa Erichs Meisterstück“ angeboten wird. „Guten Appetit!“

„Gott schütze das ehrbare Handwerk“, sang der Handwerkerchor Birkenfeld, der die Feier in diesem Jahr wiederum musikalisch umrahmte. Auch 2011 zauberte er mit seiner Darbietung ein Strahlen in die Gesichter der Gold- und Diamantmeister.

Meisterbrief ist Krönung

„Man weiß nie wie das Leben spielt und mit dem Meisterbrief ist man beruflich auf der sicheren Seite“, sagt Schneidermeisterin Helga Breitbach aus Koblenz. Sie war vor 50 Jahren 22 und sah im Meisterbrief die Krönung ihrer Berufsausbildung. „Mein Vater war im Krieg geblieben und die Mutter meinte, ich sei zu jung, um mich selbstständig zu machen. Da bin ich bei meinem Lehrherrn geblieben. Drei Jahre später habe ich geheiratet und war für die Familie da. Es hätte ja aber auch anders kommen könne“, erzählt sie. Genäht für Kinder und Freunde hat sie bis zum heutigen Tag. Auch zur Altmeisterfeier trägt sie natürlich Hosenanzug und Bluse aus eigener Herstellung.

Schreinermeisterbetrieb seit 1896

„Wir Eisenschneiders führen den Familienbetrieb in Idar-Oberstein seit 1896“, berichtet Tischlermeister Werner Eisenschneider. „Immer ist der Sohn beim Vater in der Werkstatt groß geworden und hat bei ihm gelernt“, erzählt er. Er selbst führte den Betrieb in der dritten, Sohn Jörg in der vierten Generation. „Redliche Arbeit, Kundenorientierung, faires Preis-Leistungsverhältnis und immer auf dem Teppich bleiben“, nennt Eisenschneider als Erfolgsgaranten für einen Handwerksbetrieb.

Informationen zur Altmeisterfeier bei der Handwerkskammer Koblenz, Meisterakademie, Tel. 0261/ 398-415, Fax -990, meister@hwk-koblenz.de

Stand: 21.10.2011

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© 2012 Handwerkskammer Koblenz, letzte Aktualisierung: 22.05.2012